Artikel

Kreditvermittlung durch Finanzberater: Was Ihr Berater verdient!

Obwohl ein Finanzberater Ihnen seine Arbeit bei der Kreditvermittlung nicht offiziell in Rechnung stellt, ist sie weit davon entfernt, kostenlos für Sie zu sein. Im Gegenteil: An vielen Punkten müssen Sie sogar doppelt bezahlen – an den Berater und an Ihre Bank. Anhand des folgenden Beispiels werden Sie sehen, warum.

Ein Bankkredit, den Sie zusätzlich zu bereits vorhandenem Kapital für den Erwerb einer Immobilie aufnehmen möchten, beläuft sich auf € 100.000,–. Sie schalten einen Finanzberater ein, der Ihnen die kreditwillige Bank vermittelt. Wenn Sie seine Kostenaufstellung genau durchlesen, werden Sie erkennen, welche Positionen Sie zusätzlich zu den ohnehin fälligen Beträgen für die Bank bezahlen müssen.

Eine BEARBEITUNGSGEBÜHR für die Kreditformalitäten müssen Sie sowieso an die Bank entrichten. Diese berechnet meist etwa 1% der Kreditsumme, manchmal auch 1,5%. Selbstverständlich ist keine Bank bereit, auf ihr Geld zu verzichten, nur weil Sie die Abwicklung einem Finanzberater übertragen haben. Was folgt daraus? Sie müssen die gleiche Summe, also € 1.000,– oder € 1.500,– nochmals zahlen, diesmal an Ihren Berater. Der rechnet diese Kosten – ebenso wie übrigens auch die Bank – direkt in den Kredit ein, weshalb Sie mehr Geld aufnehmen, als eigentlich nötig wäre.

Aber damit nicht genug. Als die meisten Kredite noch als Fremdwährungskredite ausgegeben wurden, schlugen die Finanzberater CHF oder YEN vor in Verbindung mit einer Lebensversicherung als TILGUNGSTRÄGER. Wir alle wissen, dass diese Verscherungen eine hohe Provision für den Vermittler abwerfen, nämlich zwischen 3% und 5% der Prämiensumme. Bei angenommenen € 70.000,– sind das immerhin satte € 2.100,– bis € 3.500,–, die Ihr Berater „für nichts“ einstreicht! Sofern der Tilgungsträger aus einem Wertpapierdepot besteht, reduziert sich dieser Ertrag gewaltig, nämlich auf den halben Agio. Bei einem monatlichen Ansparbetrag von € 300,– erhält er somit nur € 6,– jeden Monat. Wozu er Ihnen vor diesem Hintergrund wohl raten wird?

Zumindest für Ihren Finanzberater ist der ENDFÄLLIGE EUROKREDIT eine interessante Variante zum Fremdwährungskredit. Für Sie selbst leider nicht unbedingt. Denn auch hier wird zwangsläufig ein Tilgungsträger eingeschaltet, an dem der Berater kräftig verdient, wie wir gesehen haben.

Lassen Sie keinesfalls eine mögliche ERFOLGSPRÄMIE außer Acht! Diese beträgt zwischen 3,5% und 5% der Gesamtsumme, also bis zu € 5.000,– für den Finanzberater. Leider ist es ihm gestattet, diesen Betrag voll oder teilweise von Ihnen zu verlangen, sofern seine Einkünfte durch die Bank und die Versicherung niedriger ausfallen oder gar nicht fließen.

Einen schon fast zu vernachlässigenden Posten machen jetzt noch Ihre Ausgaben für KREDITBENEGESCHÄFTE aus. Hierzu zählen hauptsächlich Zins- und auch Fremdwährungsversicherungen. Denn auch dabei zahlen Sie nicht nur an die Bank, sondern den gleichen Teil auch an Ihren Finanzberater.

PROVISION – ERFOLGSPRÄMIE – BERATUNGSHONORAR sind, wie wir gesehen haben, nur einige der Posten, an denen Ihr Finanzberater verdient. Indessen ist die gesamte Branche derzeit einem Wandel unterworfen. Die Angehörigen ohne ein ausreichend dickes Finanzpolster werden sich wahrscheinlich nicht mehr lange am Markt behaupten können.

Daher sollten sich die Berater dazu durchringen, endlich als Dienstleistungsunternehmen aufzutreten und ganz offen die Preise für ihre erbrachte Arbeit darzulegen.

Die gesamte Branche würde davon profitieren. Denn letztlich weiß jeder von uns, dass es im Geschäftsbereich keine kostenlosen Tätigkeiten gibt. Die Kosten dafür im Voraus anzukündigen, würde nicht zuletzt auch das Image der Branche verbessern. Und warum sollten eigentlich Finanzberater (und auch Bankangestellte) von uns nicht nach einem festen Stundensatz bezahlt werden?

Autor: jf | Veröffentlicht am Mittwoch, 2. September 2009
Tags: Versicherung Bank Kredit Beratung Zinsen Berater Bearbeitunsgebühr Vermittlung