Schuldenschnitt: Neustart dank Schuldenerlass realistisch?

Haben die Griechen eine Chance? Wenn die Gläubiger und Bürgen den Griechen einen Teil der Schulden erlassen oder gar einem kompletten Schuldenerlass zustimmen würden, hat das Land sicher eine neue Chance. Die neue Chance kann aber nicht bedeuten "weiter so", sondern müsste trotzdem ein Umdenken nach sich ziehen, damit die Schuldenberge nicht erneut entstehen.

Wenn die Griechen nicht ihr Steuersystem reformieren und wirklich ernsthaft Steuern eintreiben, wenn sie die vielen unglaublichen Privilegien nicht abschaffen und die Staatsquote nicht erheblich senken, dann hilft auch kein Schuldenerlass.

Wie sollen die Gläubiger reagieren? Die Griechen haben jetzt lange Zeit gehabt, die geforderten Reformen durchzusetzen. Nur mit Sparhaushalten und Einschnitten bei den "kleinen Leuten", ohne die Einnahmeseite zu verstärken, gelingt die Wende nicht.

Erst wenn das Tafelsilber verkauft ist, also die Privatisierung wesentlicher öffentlicher Bereiche nachvollziehbar abgeschlossen ist und die vielen Millionäre endlich gerechte Steuern zahlen, darf man über weitere Hilfen und einen Schuldenerlass nachdenken!

Wie ist das im privaten Bereich? Bevor man im privaten Bereich einen Schuldenerlass überlegen kann, muss man sein gesamten Vermögen verbraucht haben. Bei einer privaten Insolvenz dürfen keine Vermögensgegenstände mehr vorhanden sein, die man im Zweifel durch eine Pfändung zur Tilgung einsetzen könnte.

Bei einer privaten Insolvenz bleibt dem Schuldner danach über sechs Jahre nur noch das pfändungsfreie Einkommen und der Rest wird an die Gläubiger abgeführt. Für den privaten Schuldner ist das eine harte Zeit, die einen Neustart ermöglicht. Für einen Staat als Schuldner ist leider eine solche Verfahrensweise nicht vorgesehen…

Autor: cpb | Veröffentlicht am Montag, 30. Mai 2011
Tags: Schulden Insolvenz Schuldenerlass Umschuldung Privatinsolvenz Sanierung Schuldenberg Nachlass Griechenland Schuldenschnitt Privatisierung Forderungsverzicht