Selbständiger Berater: Soll ich meine Kunden duzen oder per Sie anreden?

Mit der Anrede kann man punkten, man kann aber auch zerstören. Selbst im Englischen ist "you" nicht immer gleich "Du".

Es kommt darauf an, in welchen Kreisen man sich bewegt. Ein selbständiger Berater, der in gehobenen Kreisen Kapitalanlagen an den Mann oder die Frau bringen will, kann diese ihm zunächst völlig unbekannten Menschen schwerlich mit "Du" anreden. Das wäre es dann schon gewesen.

Dagegen kann man sich schon vorstellen, dass eine selbständige Beraterin, die Jugendliche zu Handyverträgen beraten möchte, diese schon eher mit "Du" anreden, wenn sie selbst auch so angeredet werden möchte. Bei älteren Beratern ist das aber problematisch.

Da könnte das "Du" als Anbiederung ausgelegt werden, und auch das ist einer Beratung nicht förderlich, zumal sich die Jugend von Ältern oft nicht viel sagen lässt.

Selbst auf dem Dorf, wo das "Du" in einer Bevölkerung, die sich Jahre oder Jahrzehnte schon kennt, gebräuchlicher ist, gilt dies nur für gut miteinander bekannte Personen.

Wenn da eine selbständige Beraterin zum Kaffeekränzchen einlädt, um die neuesten Küchenmaschinen vorzuführen, wird sie auch nicht gleich jede Eingeladene per "Du" und mit Vornamen begrüßen. Wenn sich allerdings ein Großteil der Damen schon kennt, ist es leicht möglich, auch mit den übrigen schnell zum "Du" zu kommen.

Im Zweifel sollte man es beim "Sie" belassen. Mit einem falschen "Sie" macht man weniger kaputt wie mit einem falschen "Du". Da wird man höchstens korrigiert und kann das Beratungsgespräch dann ungestört fortsetzen.

Autor: gs | Veröffentlicht am Freitag, 15. Juli 2011
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