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Die europäische Zentralbank (EZB) – Aufgaben, Funktionen und weitere Infos

Die EZB ist der Wächter über Euro und Preisstabilität. Vereinfacht gesagt ist die Europäische Zentralbank – kurz als EZB bezeichnet – die Notenbank für die Währung „Euro“. Ihre vornehmliche Aufgabe ist es, die Kaufkraft des Euro auf einem soliden Niveau zu halten und die Preisstabilität im Euro-Währungsraum zu gewährleisten. Dazu hat sie mehrere geldpolitische Instrumente in der Hand.

Eine Zentralbank im Herzen Deutschlands

EZB Frankfurt

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Die Europäische Zentralbank wurde im Jahr 1998 mit dem Ziel gegründet, eine gemeinsame Währungsbehörde für die Europäische Union ins Leben zu rufen. Sie sollte sich der Verwaltung des Euro, der Gewährleistung eines stabilen Preissystems und der Umsetzung der Wirtschaftspolitik der Europäischen Union verschreiben. Diesen Aufgaben kommt sie zur Unterstützung eines kontinuierlichen Wirtschaftswachstums mit der Schaffung von Arbeitsplätzen nach. Die Mitglieder der EZB sind der Präsident und der Vizepräsident, hinzu kommen die Präsidenten der jeweiligen nationalen Zentralbanken der einzelnen Mitgliedstaaten. Der Sitz befindet sich in Frankfurt am Main, hier haben rund 2.500 Mitarbeiter aus ganz Europa ihren Dienstsitz. Ihr Präsident Mario Draghi ist seit dem 01. November 2011 im Amt.
Der Präsident der EZB tritt vorrangig als Repräsentant bei hochrangigen Tagungen der Europäischen Union oder bei internationalen Veranstaltungen auf. Das wichtigste Entscheidungsgremium ist der EZB-Rat. Er setzt sich aus den Mitgliedern des Direktoriums und aus den Präsidenten der jeweiligen Landeszentralbanken zusammen. Der EZB-Rat beurteilt und entscheidet in regelmäßigen Abständen zur Festlegung des Leitzinses. Er bewertet die wirtschaftliche Entwicklung und steuert die Währungspolitik im Euroraum. Das Direktorium soll die Tagesgeschäfte der EZB kontinuierlich überprüfen. Es ist für die Durchführung aller währungspolitischen Aufgaben zuständig und bereitet die regelmäßigen Sitzungen des Rates vor. Das Direktorium besteht aus dem Präsidenten, seinem Vizepräsidenten und weiteren vier Mitgliedern. Sie werden für die Dauer von acht Jahren von den Staats- und Regierungschefs der Euroländer ernannt. Vier der sechs Mitglieder werden üblicherweise aus den großen Euroländern Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien gestellt. Eine eher beratende und koordinierende Funktion kommt dem Erweiterten Rat zu. Er besteht aus dem Präsidenten, dem Vizepräsidenten und den Präsidenten aller Landeszentralbanken.
Die EZB ist gemäß dem Vertrag von Maastricht eine politisch und finanziell unabhängige Einrichtung. Durch diese Unabhängigkeit will man Interessenskonflikten vorbeugen und die Einflussnahme von außerhalb verhindern. Die EZB steht in ständigem Kontakt mit den einzelnen Landeszentralbanken der Mitgliedsländer. Sie setzen sich zum Europäischen System der Zentralbanken zusammen. Darüber hinaus leitet die EZB die Kooperation der Banken im Euroraum, um ein funktionsfähiges Eurosystem zu erhalten.

Die Preisstabilität im Zentrum ihrer Arbeit

Die Aufgaben der EZB und ihrer Landeszentralbanken sind im AEU-Vertrag festgelegt. Dieser Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union regelt die Funktionsweise des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) und damit der Banken der EU-Mitgliedstaaten. Vom ESZB abzugrenzen ist das Eurosystem, das sich aus der EZB und den nationalen Zentralbanken zusammensetzt. Das Eurosystem gilt also für die Mitgliedstaaten, die den Euro als Währung schon eingeführt haben. Das wichtigste Ziel des Eurosystems ist im Artikel 127 Abs. 1 des AEU-Vertrags festgeschrieben. Dort heißt es, dass das Europäische System der Zentralbanken die Preisstabilität gewährleisten muss. Ergänzt wird dieses Ziel unter anderem durch eine nachhaltige Entwicklung Europas durch ein stabiles Wirtschaftswachstum und durch eine wettbewerbsfähige soziale Marktwirtschaft sowie durch Vollbeschäftigung und sozialen Fortschritt.
Eine der wichtigsten Aufgaben der EZB ist die Regulierung der Geldmenge. Hinzu kommt die Überwachung des Bankensystems in Europa. Größere Schwankungen des Geldwerts sollen vermieden werden. Das elementare Instrument dazu ist der Leitzins. Er legt fest, zu welchem Zins sich die nationalen Geschäftsbanken Geld besorgen können. Die EZB beeinflusst so die Konjunktur in der Eurozone und die Inflationsrate. Zu ihren weiteren Steuerungsinstrumenten gehören die Festlegung der Mindestreserve und die Beeinflussung des Devisenmarktes. Dazu verwaltet sie Währungsreserven im Euroraum, indem sie Währungen ankauft und verkauft und den Wechselkurs stabil hält.

Hinweis

Die Preisstabilität steht im Zentrum der EZB

Die EZB stellt sicher, dass die nationalen Behörden die Finanzmärkte und die Finanzinstitute in angemessener Form überwachen. Gleichzeitig sorgt sie für eine reibungslose Funktion der Zahlungssysteme in Europa. Sie erteilt die Genehmigung für die Ausgabe von Banknoten und gewährleistet die Sicherheit des Bankensystems. Durch eine kontinuierliche Beobachtung der Preisentwicklung beurteilt sie potenzielle Risiken für die Preisstabilität.
Weitere Aufgaben sind die Herausgabe von Banknoten im Euroraum und die Erhebung von statistischen Daten von nationalen Stellen oder von beteiligten Wirtschaftsakteuren. Auf internationaler Ebene unterhält die EZB Arbeitsbeziehungen zu allen relevanten Organen und Einrichtungen in der Europäischen Union und weltweit, um die Funktionsfähigkeit des Eurosystems zur erhalten.

Der Leitzins als Instrument der Geldpolitik

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Der Leitzins ist einer der wichtigsten Hebel zur Beeinflussung der Konjunktur. Wenn die EZB den Leitzins ändert, beeinflusst sie damit die Konditionen, zu denen sich Banken Geld leihen können. In einer stabilen konjunkturellen Lage könnte die EZB Geld aus dem Wirtschaftskreislauf entziehen, der Leitzins würde steigen. Dadurch steigt der Geldwert, die Gefahr einer Inflation sinkt. In einer schwachen wirtschaftlichen Lage würde die Geldmenge erhöht, die EZB pumpt also mehr Geld in den Markt. Man spricht dann von einer „lockeren Geldpolitik“. In der Folge sinken der Leitzins und der Wert des Geldes, die Inflationsgefahr steigt. Durch die im Umlauf befindliche Geldmenge nimmt die EZB also Einfluss auf den Leitzins, zu dem sich die Banken Geld leihen. Diese Zinsen geben sie an ihre Endkunden weiter. Bei einer lockeren Geldpolitik mit geringen Leitzinsen sinken die Kreditzinsen und die Renditen für Spareinlagen. Bei steigenden Leitzinsen werden Kredite teurer, doch auch die Guthabenzinsen steigen. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass vor allem interessierte Immobilienkäufer ein regelmäßiges Auge auf die Entwicklung des Leitzinses haben. Schon kleine Zinsänderungen haben bei hohen Darlehen eine enorme finanzielle Auswirkung, deshalb sind Käufer von Immobilien immer an geringen Leit- und Darlehenszinsen interessiert.

Regelmäßige Sitzungen für kontinuierliche Kontrolle

Die Sitzungen der Notenbank finden in regelmäßigen Abständen statt. Vor allem wenn man den Leitzins im Auge behalten will, bietet es sich an, die Sitzungstermine zu verfolgen. Im Jahr 2017 sind acht Termine veröffentlicht. Geplant sind derzeit EZB-Sitzungen am 19. Januar, am 09. März, am 27. April, am 08. Juni, am 20. Juli, am 07. September, am 26. Oktober und am 14. Dezember. Wenige Tage zuvor weist die Berichterstattung in den Medien meist schon darauf hin, ob eine Leitzinsänderung zu erwarten ist.


Weitere Infos zum Thema:
https://europa.eu/european-union/about-eu/institutions-bodies/european-central-bank_de
https://www.ecb.europa.eu/ecb/html/index.de.html


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