Kredit Nebenkosten

Zu aller erst sollte geklärt werden, was man unter Nebenkosten bei einem Kredit versteht. Die Website www.sofortkreditoesterreich.at beschreibt sie als „Alle Kosten, die bei einem Kredit anfallen wie etwa die Bearbeitungsgebühr oder Spesen.“ Wohl jedem Kreditnehmer ist bei genauem Hinsehen schon einmal aufgefallen, dass der gebundene Sollzins seines Kredits vom Effektivzins abweicht. In der Regel erklärt man das damit, dass für die Bearbeitung einer Kreditanfrage und für die Genehmigung Gebühren anfallen. Der Effektivzins enthält diese Gebühren und ist deshalb höher als der Sollzins. Damit die Kosten für den Kredit überschaubar bleiben, sollte man also eine Finanzierung mit einem geringen Effektivzins wählen. Doch welche Nebenkosten darf die Bank eigentlich für einen Kredit berechnen? Und was kann man selbst als Kreditnehmer tun, damit sie so gering wie möglich bleiben?

Mit welchen Gebühren muss der Kreditnehmer rechnen?

Bevor man einen Kredit aufnimmt, sollte man sich informieren, welche Nebenkosten prinzipiell anfallen können. Es macht grundsätzlich übrigens kaum einen Unterschied, ob man die Finanzierung bei einer Filialbank abschließt und dort eine umfassende Beratung aufsucht oder ob man den Kredit bei einer Onlinebank aufnimmt. Prinzipiell erheben alle Banken in irgendeiner Form Kreditnebenkosten. Sie sind ein wichtiger Grund dafür, dass der gebundene Sollzins vom effektiven Jahreszins abweicht. Es gilt der Zusammenhang, dass die Nebenkosten umso niedriger sind, je weniger sich der Effektivzins vom Sollzins unterscheidet. Die Nebenkosten eines Kredits mit einem Sollzins von drei Prozent und einem Effektivzins von 4,5 Prozent pro Jahr sind demnach höher als bei einer Finanzierung mit einem Sollzins von drei Prozent und einem effektiven Zins von vier Prozent.

Kredit Nebenkosten

Kredit Nebenkosten (c)elements.envato.com – master1305

Typische Nebenkosten sind Bearbeitungsgebühren für die Erstellung des Vertrags, für die Führung des Kundenkontos und für eine Restschuldversicherung. Wer eine Baufinanzierung aufnimmt, muss mit Gebühren für die Erstellung eines Gutachtens für die Eintragung im Grundbuch und für die Beauftragung des Notars rechnen. Nach der Preisangabeverordnung – kurz als PangV bezeichnet – müssen alle Nebenkosten im Kreditvertrag aufgeführt sein. Dabei ist auf eine detaillierte und verständliche Darstellung zu achten. Auf einige Nebenkosten kann der Kreditnehmer selbst Einfluss nehmen und diese dadurch verringern. Schon deshalb lohnt sich ein sorgfältiger Vergleich der Zinsen, bevor man den Vertrag abschließt. Als Grundsatz gilt, dass die Gebühren bei einem Ratenkredit zwischen 0,5 Prozent und zwei Prozent betragen sollten. Liegen sie höher, lohnt sich eine Anfrage beim Verbraucherschutz, denn eine Bank darf weder zu hohe noch intransparente Gebühren verlangen.

Welche Gebühren sind nicht mehr zulässig?

Unabhängig von Restschuldversicherungen, Sondertilgungen, Kosten für Teilzahlungen und Provisionen sind zwei Kostenfaktoren von besonderer Bedeutung: die Bearbeitungsgebühren und die Kontoführungsgebühren. Beide Gebühren sind in neuen Kreditverträgen nicht mehr zulässig. Seit dem Jahr 2014 ist es zum Beispiel nicht mehr erlaubt, Bearbeitungsgebühren von einem Kreditnehmer zu verlangen. Wenn eine entsprechende Position in einem Kreditvertrag aufgeführt ist, kann der Kreditnehmer fordern, dass diese entfernt wird. Das liegt daran, dass es nach geltender Meinung der Gerichte nicht zulässig ist, wenn eine Bank für die Bearbeitung von Krediten ein Entgelt verlangt. Begründet wurde diese Entscheidung damit, dass es zu den vornehmlichen Aufgaben eines Kreditinstituts gehört, Kreditanträge zu bearbeiten und zu genehmigen. Deshalb darf dafür keine weitere Gebühr erhoben werden. Auch die Führung des Kreditkontos darf nicht kostenpflichtig veranschlagt werden. Als Anhaltspunkt gilt, dass die Bank nur Nebenkosten berechnen darf, aus denen sich eine Dienstleistung für den Kunden ergibt. Für eine Leistung, die lediglich zur Reduzierung des internen Aufwands für die Verwaltung anfällt, dürfen dagegen keine Gebühren verlangt werden. Auch Kreditanfragen müssen übrigens kostenlos angeboten werden. Demnach sind Kosten nicht zulässig, wenn überhaupt kein Kreditvertrag abgeschlossen wird, sondern wenn lediglich eine Anfrage erstellt wird.

Wie kann ein Kreditnehmer die Nebenkosten senken?

Nicht alle Gebühren lassen sich komplett vermeiden. Trotzdem gibt es einige Möglichkeiten, die Kosten zu verringern, wenn man sich auf die wesentlichen Leistungen konzentriert und die Zinsen vergleicht.

Extras kosten zusätzliche Geld

Hohe Gebühren entstehen vor allem, wenn ein Kreditnehmer besondere Anforderungen hat. Eine Restschuldversicherung ist zum Beispiel bei einer hohen Finanzierungssumme oder bei einer langen Laufzeit sinnvoll. Sie kostet aber auch Geld, und die Gebühren machen durchaus eine nennenswerte Größenordnung aus. Sondertilgungen sind ebenfalls sinnvoll, denn mit jeder außerplanmäßigen Tilgung verringert man die Restschuld. Trotzdem muss man bei Sonder- und Gesamttilgungen mit einem Zinsaufschlag rechnen. Wer während der Kreditlaufzeit eine Änderung am Vertrag vornehmen will, muss zusätzliche Gebühren einkalkulieren. Tilgungsaussetzungen oder Tilgungsänderungen lässt sich jede Bank gut bezahlen. Wenn möglich, sollte man schon beim Abschluss des Vertrags darauf achten, flexible Konditionen auszuhandeln.

Günstige Gebühren durch Vergleich

Wer Kosten sparen will, muss die Zinsen vergleichen. Sowohl die Nominal- als auch die Effektivzinsen und die Konditionen der Banken unterscheiden sich enorm. Mit Hilfe eines Vergleichsrechners findet man mit wenig Aufwand die Anbieter mit den besten Zinsen. Im Vergleich sollte man besonders auf die effektiven Zinsen achten, sie sind ein guter Anhaltspunkt für die Gesamtkosten. Falls eine Bank darüber hinaus zusätzliche Gebühren verlangt, sollten diese natürlich im Vergleich berücksichtigt werden. Ebenfalls nicht zu vergessen sind die Provisionen, die einige Banken für die Vermittlung von Krediten verlangen. Wer einen Kredit ohne Vermittler abschließt, spart Geld.

Onlinebanken punkten mit geringen Kosten

Bei einem Kreditvergleich zeigt sich meistens schnell, welche Banken durch günstige Zinsen überzeugen. Als Anhaltspunkt gilt, dass die Kostenstruktur der Direktbanken etwas attraktiver ist als die Gebühren der Filialbanken. Onlinebanken leisten sich keinen teuren Vertrieb und keine kostspieligen Filialen und können deshalb günstiger anbieten. Diesen Vorteil geben sie an ihre Kunden weiter. Deshalb sollte man im Vergleich der Zinsen genau auf die Direktbanken achten.

Fazit: Nebenkosten für Kredite müssen kein Kostentreiber sein

Ein Kredit kostet Geld – doch der Kreditnehmer kann selbst Einfluss nehmen auf die Nebenkosten. Man muss also keinesfalls akzeptieren, was die Bank im Vertrag vorschlägt. Zum einen ist es wichtig, auf die unerlaubten Nebenkosten wie die Bearbeitungs- und die Kontoführungsgebühr zu achten. Zum anderen sollte man auf Zusatzleistungen verzichten und die Angebote vergleichen, bevor man den Vertrag abschließt. Als Anhaltspunkt gilt, dass die Gebühren bei Direkt- und Onlinebanken günstiger sind als bei Filialbanken. Deshalb sollte jeder Kreditnehmer, der an günstigen Nebenkosten interessiert ist, die Konditionen der Direktbanken besonders aufmerksam prüfen. Durch einen sorgfältigen Vergleich der Zinsen und der Kreditnebenkosten lassen sich die Gebühren reduzieren, ohne dass man auf wesentliche Leistungen verzichtet. So bleibt der Kredit flexibel, sicher und bezahlbar.


Quellen und weiterführende Infos:

https://derstandard.at/2000066291594/Wie-man-bei-der-Kreditaufnahme-die-Nebenkosten-niedrig-haelt


(c) Bilder:

elements.envato.com – master1305