Arbeitslosengeld Österreich

Wer seine Arbeit verliert, wird in der Regel von Existenzängsten geplagt. Das fehlende monatliche Einkommen kann schnell ein großes Loch in die eigene Kasse reißen. Damit der Lebensunterhalt trotzdem gesichert bleibt, während eine neue Arbeitsstelle gesucht wird, gibt es das Arbeitslosengeld. Dieses wird auf Antrag für einen bestimmten Zeitraum an berechtigte Arbeitssuchende gezahlt. Aber auch das Thema Arbeitslosengeld ist oftmals mit Ängsten und Sorgen behaftet oder wirft zumindest regelmäßig viele Fragen auf. In diesem Beitrag klären wir deshalb die wichtigsten Fragen rund um das Arbeitslosengeld in Österreich. Erfahren Sie unter anderem, wem Leistungen zustehen, wie die Höhe des Arbeitslosengeldes ermittelt wird und wie lang die Bezugsdauer ist.

Was ist Arbeitslosengeld?

Das Arbeitslosengeld dient, wie bereits eingangs angeklungen, zur zeitweisen finanziellen Überbrückung, wenn der Arbeitsplatz verloren geht. Während der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle sichert diese vom Staat gewährte finanzielle Unterstützung die Existenz. Dadurch kann sich der Arbeitssuchende in Ruhe wieder in den Arbeitsmarkt eingliedern, ohne sich wegen des Eintrittes der Arbeitslosigkeit Sorgen um die Sicherung seiner Lebensgrundlage machen zu müssen. Das Arbeitslosengeld muss beim Arbeitsmarktservice Österreich (AMS) beantragt werden. Die Rechtsgrundlage für das Arbeitslosengeld bildet in Österreich das Arbeitslosenversicherungsgesetz (AlVG).

Arbeitslosengeldrechner

Berechnen Sie unter folgenden Link das Arbeitslosengeld für Österreich:


Wer bekommt Arbeitslosengeld in Österreich?

Damit ein Anspruch auf die Zahlung von Arbeitslosengeld besteht, müssen verschiedene Kriterien erfüllt sein. Dazu gehören grundsätzlich folgende Voraussetzungen:

  • Arbeitslosigkeit
  • Arbeitsfähigkeit
  • Arbeitswilligkeit.

Zusätzlich muss die arbeitslose Person der Arbeitsvermittlung zur Verfügung stehen. Das bedeutet, dass sie eine Beschäftigung aufnehmen kann und darf – Gleiches gilt selbstverständlich auch für die Ausübung der Tätigkeit. Die diesbezügliche Bereitschaft zur Aufnahme einer Arbeit muss zudem für ein festgelegtes Mindestmaß an wöchentlichen Arbeitsstunden bestehen. Im Normalfall sind das mindestens 20 Stunden die Woche. Ausnahmsweise reichen auch 16 Stunden aus, wenn Betreuungsverpflichtungen für Kinder bis zum 10. Lebensjahr oder für ein behindertes Kind bestehen.

Außerdem Voraussetzung für den Arbeitslosengeldbezug ist eine gewisse Mindestbeschäftigungsdauer. Die Mindestdauer der arbeitslosenversicherungspflichtigen Beschäftigung hängt davon ab, ob eine Leistung nach dem AlVG erstmals in Anspruch genommen wird oder ob es sich um eine weitere Inanspruchnahme handelt. Bei einem erstmaligen Leistungsbezug beträgt die Mindestdauer 52 Wochen innerhalb der letzten zwei Jahre vor der Geltendmachung des Anspruches. Für den Fall der weiteren Inanspruchnahme reichen 28 Wochen innerhalb des letzten Jahres vor der Geltendmachung aus. Ausnahmsweise reicht bei der ersten Inanspruchnahme des Arbeitslosengeldes auch eine Beschäftigungszeit von 26 Wochen innerhalb der letzten 12 Monate, wenn der Leistungsnehmer vor der Beantragung des Arbeitslosengeldes das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet hat.

Hinzu kommt, dass die Bezugsdauer nicht erschöpft sein darf. Wie lange ein Arbeitssuchender Arbeitslosengeld beziehen kann, hängt wiederum von verschiedenen Faktoren ab, die weiter unten näher erläutert werden.

Arbeitslosengeld Österreich

Das Arbeitslosengeld muss über das Monat gesehen gut kalkuliert werden (c)Bigstockphoto.com/61188815/ginasanders

Wann besteht der Anspruch auf Unterstützung bei Arbeitslosigkeit nicht?

Sind die oben genannten Voraussetzungen nicht erfüllt, besteht kein Anspruch auf die Zahlung von Arbeitslosengeld. Insbesondere besteht kein Anspruch in folgenden Fällen der Teilnahme an einem:

  • Freiwilligen Sozialjahr
  • Freiwilligen Umweltschutzjahr
  • Gedenkdienst
  • Friedens- und Sozialdienst im Ausland.

Haben auch Selbstständige einen Anspruch auf Arbeitslosengeld?

Beendet ein Selbstständiger seine berufliche Tätigkeit, ohne einen neuen Job zu haben, stellt sich die Frage, ob auch er einen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben kann. Das ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Entweder es besteht ein Anspruch aufgrund einer früheren arbeitslosenversicherungspflichtigen Beschäftigung oder der selbstständig Tätige hat eine freiwillige Arbeitslosenversicherung abgeschlossen.

Wie viel Geld steht einem Arbeitssuchenden zu?

Die Höhe des Arbeitslosengeldes ist von Fall zu Fall verschieden und richtet sich unter anderem nach dem letzten Einkommen und den Familienverhältnissen. Der Betrag, der dem Arbeitssuchenden ausgezahlt wird, setzt sich grundsätzlich aus folgenden Einzelbeträgen zusammen:

  • Grundbetrag
  • mögliche Familienzuschläge
  • eventueller Ergänzungsbetrag.

Wie hoch ist der Grundbetrag?

Hinweis

Der Grundbetrag des Arbeitslosengeldes als Tagessatz beläuft sich auf 55 Prozent des täglichen Nettoeinkommens. Letzteres wird aus der Bruttobemessungsgrundlage berechnet, indem die sozialen Abgaben und die Einkommenssteuer in Abzug gebracht werden. Übersteigt die Bruttobemessungsgrundlage allerdings die jeweils geltende Höchstbemessungsgrundlage, wird dieser Wert für die Ermittlung des Grundbetrages herangezogen.

Die Bruttobemessungsgrundlage ergibt sich aus dem durchschnittlichen sozialversicherungspflichtigen Bruttoeinkommen einschließlich Sonderzahlungen, welches der Jahresbeitragsgrundlage des arbeitslosenversicherungspflichtigen Entgelts entspricht. Diese Jahresbeitragsgrundlage ist beim Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger gespeichert. Je nach Zeitpunkt der Antragstellung, werden unterschiedliche Jahresbeitragsgrundlagen für die Berechnung des Grundbetrages des Arbeitslosengeldes herangezogen.

Fällt die Geltendmachung in den Zeitraum 1. Jänner bis 30. Juni des jeweiligen Jahres, richtet sich der Grundbetrag nach der gespeicherten Jahresbeitragsgrundlage des vorletzten Jahres, wobei diese noch mit dem Aufwertungsfaktor für die Sozialversicherung des entsprechenden Jahres aufgewertet wird. Bei einer Antragstellung zwischen dem 1. Juli und dem 31. Dezember richtet sich die Höhe des Grundbetrages hingegen nach der gespeicherten Jahresbeitragsgrundlage des letzten Jahres. Existieren keine Jahresbeitragsgrundlagen aus dem vorletzten bzw. letzten Kalenderjahr, wird die letzte vorliegende Jahresbeitragsgrundlage eines vorherigen Jahres verwendet. Bei Fehlen jeglicher Jahresbeitragsgrundlage ist das Entgelt der letzten sechs Kalendermonate entscheidend.

Welche Familienzuschläge gibt es?

Bei der Berechnung des Arbeitslosengeldes werden bei Vorliegen bestimmter Bedingungen auch verschiedene Familienzuschläge für Kinder, Ehepartner, Lebensgefährten und eingetragene Partner berücksichtigt. Für jedes Kind, zu dessen Unterhalt der Arbeitssuchende wesentlich beiträgt, steht dem Arbeitslosengeldempfänger ein Familienzuschlag zu, sofern ein Anspruch auf Familienbeihilfe besteht. Einen Familienzuschlag für Ehegatten, Lebensgefährten und eingetragene Partner wird gezahlt, wenn die betreffende Person kein oder nur ein geringes Einkommen hat und zudem ein Familienzuschlag für ein im gemeinsamen Haushalt lebendes minderjähriges oder behindertes Kind gewährt wurde. Lebt das Kind nicht im gemeinsamen Haushalt, besteht aber eine Obsorgeverpflichtung, gilt Entsprechendes.

Wann beinhaltet das Arbeitslosengeld einen Ergänzungsbetrag?

Einen Anspruch auf einen Ergänzungsbetrag hat der Arbeitssuchende zudem, wenn der Grundbetrag unter dem Ausgleichszulagenrichtsatz liegt. Mit dem Ergänzungsbetrag wird dann die gegebenenfalls bestehende Differenz ausgeglichen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass der Grundbetrag und der Ergänzungsbetrag zusammen 60 Prozent des täglichen Nettoeinkommens laut Bemessungsgrundlage nicht überschreiten. Besteht außerdem ein Anspruch auf einen oder mehrere Familienzuschläge, liegt die nicht zu überschreitende Grenze für Grundbetrag, Familienzuschläge und Ergänzungsbetrag bei höchstens 80 Prozent des täglichen Nettoeinkommens laut Bemessungsgrundlage.

Ist ein Zuverdienst zum Arbeitslosengeld möglich?

Bis zur jeweils geltenden Geringfügigkeitsgrenze (2018: 438,05 Euro brutto) ist ein Zuverdienst zum Arbeitslosengeld möglich. Das Arbeitslosengeld wird dann auch nicht gekürzt. Allerdings muss dem AMS jede Erwerbstätigkeit angezeigt werden. Anderenfalls droht der Verlust des Arbeitslosengeldes für die Dauer der Tätigkeit. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass der AMS das bereits gezahlte Arbeitslosengeld für mindestens vier Wochen zurückfordern wird.

Wie lange wird das Arbeitslosengeld gezahlt?

Das Arbeitslosengeld kann nur für einen begrenzten Zeitraum bezogen werden. Im Grundsatz beträgt die Dauer des Bezuges 20 Wochen. Die Dauer kann sich aber unter bestimmten Voraussetzungen erhöhen. Ist der Arbeitslose vor seinem Arbeitsplatzverlust zum Beispiel mindestens 156 Wochen einer arbeitslosenversicherungspflichtigen Tätigkeit nachgegangen, wird das Arbeitslosengeld für 30 Wochen zuerkannt.

Die Verlängerung des Bezugszeitraumes kann aber auch noch von weiteren Faktoren, wie zum Beispiel dem Alter des Bezugsberechtigten oder der Teilnahme an bestimmten Maßnahmen, abhängen:

  • 39 Wochen: bei Vollendung des 40. Lebensjahres und 312 Wochen arbeitslosenversicherungspflichtige Beschäftigung in den letzten 10 Jahren
  • 52 Wochen: bei Vollendung des 50. Lebensjahres und 468 Wochen arbeitslosenversicherungspflichtige Beschäftigung in den letzten 15 Jahren
  • Verlängerung um bis zu maximal drei bis vier Jahre: durch das Besuchen einer Schulungsmaßnahme, die der Arbeitssuche dient.

Nach Ablauf der Bezugsdauer kann bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen ein Anspruch auf Notstandshilfe bestehen. Dazu muss unter anderem eine wirtschaftliche Notlage bestehen.

Wie funktioniert die Beantragung?

Für die Beantragung des Arbeitslosengeldes gibt es zwei Möglichkeiten. Arbeitssuchende, die über ein eAMS-Konto verfügen, können das Arbeitslosengeld auf elektronischem Weg beantragen. Alle anderen müssen für das Stellen des Arbeitslosengeldantrages innerhalb von zehn Tagen nach Eintritt der Arbeitslosigkeit persönlich bei der zuständigen Geschäftsstelle des AMS vorstellig werden, sofern die bevorstehende Arbeitslosigkeit bereits vorher schon gemeldet wurde. Ist diese Meldung unterblieben, muss die Geschäftsstelle bereits am ersten Tag der Arbeitslosigkeit aufgesucht werden.

Wann finden die Auszahlungen statt?

Grundsätzlich wird das Arbeitslosengeld in der bewilligten Höhe immer monatlich im Nachhinein ausgezahlt – also immer am Anfang eines Monats für den vorherigen Monat. Für jeden Monat eines Jahres gibt es festgelegte Auszahlungstermine, die in der Regel innerhalb der ersten zwei Wochen der jeweiligen Monate liegen.

Es kann allerdings sein, dass das Arbeitslosengeld trotz rechtzeitiger Beantragung und einem grundsätzlichen Anspruch nicht sofort gezahlt wird. Das ist der Fall, wenn eine vierwöchige Sperrfrist verhängt wurde, weil die Beendigung des Arbeitsverhältnisses aus eigenem Verschulden oder freiwillig ohne triftigen Grund erfolgt ist, oder der Anspruch auf Arbeitslosengeld ruht. In beiden Fällen verschiebt sich der Beginn des Bezuges, die Bezugsdauer wird dadurch aber nicht verkürzt. Beispiele für Fälle des Ruhens sind:

  • der Bezug von Kranken- oder Wochengeld
  • der Erhalt einer Kündigungsentschädigung
  • bei Bestehen eines Anspruches auf eine Urlaubsersatzleistung wegen eines noch offenen Resturlaubs zum Zeitpunkt der Beendigung des Arbeitsverhältnisses.

Wie wird das Arbeitslosengeld ausgezahlt?

Wurde der Antrag auf Arbeitslosengeld bewilligt, stellt sich abschließend nur noch die Frage, wie das Geld ausgezahlt wird. Die Auszahlung des Arbeitslosengeldes erfolgt entweder per Post oder per Überweisung auf das Girokonto des Arbeitssuchenden. Entscheidet sich der Arbeitssuchende für die Auszahlung per Post, muss er regelmäßig länger auf sein Geld warten. Der Geldbetrag wird in solchen Fällen bei dem Postamt am Wohnort des Anspruchsberechtigten hinterlegt. Der Arbeitslosengeldempfänger erhält dann eine Nachricht über die Hinterlegung. In dieser wird ihm eine Frist für die Abholung des Geldes gesetzt. Holt er das Geld nicht ab, wird es an den AMS zurückgeschickt. Damit es erneut zugestellt wird, ist das Eintreffen des Geldes beim AMS und eine persönliche Beantragung bei der zuständigen Geschäftsstelle notwendig.


Quellen und weiterführende Infos:

https://www.arbeitslosengeld.at/

http://www.ams.at/service-arbeitsuchende/finanzielles/leistungen/arbeitslosengeld

https://www.arbeiterkammer.at/beratung/arbeitundrecht/Arbeitslosigkeit/Arbeitslosengeld.html


(c) Bilder:

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