Frühpension Österreich

Das Regelpensionsalter hängt in Österreich vom Geburtsjahr ab. Stichtag ist der 01.01.1955, wer nach diesem Zeitpunkt geboren wurde, muss länger arbeiten. Darüber hinaus gibt es mehrere Varianten der Frühpension. Als Anhaltspunkt gilt, dass die Möglichkeiten des vorzeitigen Ausscheidens aus dem Berufsleben wohl zukünftig noch weiter eingeschränkt werden. Wer frühzeitig in Pension geht, freut sich in der Regel über einen langen Bezug der Pension, denn die Menschen werden dank der medizinische Versorgung heute immer älter. Doch gerade dieser lange Rentenbezug stellt das soziale Rentenversicherungssystem vor immer größere Herausforderungen.

Das Regelpensionsalter richtet sich nach dem Geburtsjahr

Wann man in Rente gehen kann und wie sich die Höhe der Pension dann errechnet, hängt maßgeblich vom Jahr der Geburt ab. Wer vor dem 31.12.1954 geboren wurde, muss sich mit einer anderen Rechtslage beschäftigen als Berufstätige, die nach dem 01.01.1955 auf die Welt gekommen sind. Für Berufstätige mit einem Geburtsdatum bis zum 31.12.1954 liegt das früheste Regelpensionsalter für Männer bei 65 Jahren. Frauen dürfen ab 60 Jahren in Rente gehen. Zum Rentenstichtag müssen mindestens 15 Jahre oder 180 Beitragsmonate in der Pflichtversicherung oder in der freiwilligen Versicherung nachgewiesen werden. In den letzten 30 Jahren mussten 15 oder 25 Jahre Beiträge gezahlt werden.

Wer ab dem 01. Januar 1955 geboren wurde, darf als Mann mit 65 Jahren und als Frau mit 60 Jahren in Rente gehen. Allerdings gilt ab 2024 eine stufenweise Anhebung des Pensionsalters für Frauen. Ab dem Jahr 2033 dürfen Männer und Frauen mit 65 Jahren in Rente gehen. Für Geborene ab 1955 müssen am Stichtag 15 Jahre Beitragszahlungen nachgewiesen werden, davon müssen mindestens 84 Monate aufgrund einer Erwerbstätigkeit angefallen sein. Wer vor dem Erreichen der Regelaltersrente in Pension gehen will, hat dazu einige Varianten mit genau festgelegten Voraussetzungen zur Auswahl.

Frühpension Österreich

Die Frühpension genießen (c)Bigstockphoto.com/241427872/traveliving

Die Frühpensionierung hängt ebenfalls vom Geburtsdatum ab

Prinzipiell sollen die Möglichkeiten einer Frühpension Schritt für Schritt abgeschafft werden. Trotzdem gibt es weiterhin Chancen, schon vor dem Regelrentenalter mit dem Arbeiten aufzuhören. Welche Regelung greift, hängt wiederum vom Geburtsjahr ab. Der Stichtag ist ebenfalls der 31.12.1954.

Diese Regeln gelten bis zum Geburtsjahr 1954

Wer bis zum 31.12.1954 geboren wurde, kann prinzipiell früher in Rente gehen, wenn die Langzeitversicherungspension, (Hacklerregelung), die Schwerarbeitspension oder die Korridorpension zur Anwendung kommen und wenn die jeweiligen Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind.

Die Langzeitversicherungspension gilt für Männer mit einem Geburtsdatum vor dem 01.01.1954, wenn sie das 60. Lebensjahr abgeschlossen haben und wenn sie 45 Jahre oder 540 Monate mit Beitragszahlungen nachweisen. Für Frauen kommt diese Regel zu Anwendung, wenn sie vor dem 01.01.1959 geboren wurden und das 55. Lebensjahr abgeschlossen haben und 480 Beitragsmonate oder 40 Jahre erwerben konnte. Wer die Hacklerregelung nutzen will, muss einen Abschlag in einer Größenordnung von 4,2 Prozent jährlich akzeptieren. Für Männer, die im Jahr 1954 geboren wurden und die Voraussetzungen der Langzeitversicherungspension erfüllen und die außerdem in einem Beruf tätig waren, die unter die Schwerarbeit fällt, greift die Schwerarbeiterpension mit einem Abschlag von 1,8 Prozent jährlich.

Nach der Schwerarbeitspension dürfen Männer mit einem Geburtsdatum bis zum 31.12.1954 nach der Vollendung ihres 60. Lebensjahres in Rente gehen, wenn sie mindestens 54 Versicherungsmonate nachweisen und wenn mindestens 120 Monate Schwerarbeit in den 240 Kalendermonaten vor dem Stichtag belegt werden. Als Schwerarbeit gelten dabei diejenigen Tätigkeiten, die unter geistig oder körperlich sehr belastenden Bedingungen ausgeführt werden. Dazu gehören explizit ein ständiger Schicht- und Wechseldienst, die kontinuierliche Arbeit in großer Hitze oder Kälte, Tätigkeiten, bei denen man mit chemischen oder physikalischen Stoffen in Verbindung kommt, sofern eine Erwerbsminderung von mindestens zehn Prozent besteht, schwere körperliche Tätigkeiten und Arbeiten in der Hospiz- und Palliativmedizin. Die Schwerarbeitspension greift nur für Männer, weil Frauen mit einem Geburtsdatum vor 1955 das Alter der Regelpension bereits erreicht haben. Wer die Schwerarbeitspension nutzen will, muss einen Abschlag über 4,2 Prozent jährlich akzeptieren.

Die Korridorpension gilt schließlich für Versicherte, die das 62. Lebensjahr beendet haben und die im Jahr 2017 schon 40 Jahre Beiträge eingezahlt haben. Die Korridorpension ist somit derzeit nur für männliche Berufstätige interessant, weil für Frauen erst ab 2028 ein Regelrentenalter von 62. Jahren gilt.

Diese Vorgaben sollten die Jahrgänge ab 1955 kennen

Wer ab 1955 geboren ist, kann ebenfalls prinzipiell auf die Schwerarbeitspension und die Korridorpension zurückgreifen. Für Frauen mit einem Geburtsjahr bis 1959 kommt außerdem die Hacklerregelung zur Anwendung.

Männer können nach dem vollendeten 60. Lebensjahr eine Schwerarbeitspension beanspruchen, wenn sie 45 Beitragsjahre nachweisen und in den letzten 20 Jahren mindestens zehn Jahre lang eine Schwerarbeit ausführen. Für Frauen gelten identische Voraussetzungen, für sie kommt die Schwerarbeitspension aber nur ab dem Jahr 2024 und dem Geburtsdatum 02.12.1963 in Frage. Weibliche Berufstätige mit einem Geburtsdatum zwischen dem 01.01.1958 und dem 31.12.1963 können eine vorzeitige Alterspension beanspruchen, wenn eine lange Versicherungsdauer nach dem vollendeten 55. Lebensjahr nachgewiesen wird und wenn die nötige Zahl der Schwerarbeitsmonate besteht. Außerdem müssen 480 Beitragsmonate belegt werden. Der Abschlag liegt dann pro Jahr bei 1,8 Prozent und pro Monat bei 0,15 Prozent für jeden Monat des Rentenantritts, der vor dem Regelpensionsalter liegt. Auch bei dieser Regelung gilt als Schwerarbeit jede Tätigkeit, die unter sehr belastenden körperlichen oder geistigen Umständen erbracht wird. Darunter fallen der Schicht- und Wechseldienst, große Hitze oder Kälte während der Arbeit sowie Tätigkeiten, bei denen chemische oder physikalische Einflüsse bemerkbar werden, wenn eine Erwerbsminderung von zehn Prozent mindestens besteht. Schwer körperliche Arbeiten und Tätigkeiten in der Pflege gehören ebenfalls zur Schwerarbeit. Wer die Schwerarbeitspension in Anspruch nimmt, muss einen Abschlag von 1,8 Prozent jährlich hinnehmen.

Die Korridorpension greift wiederum bei Versicherten nach dem vollendeten 62. Lebensjahr, wenn 480 Beitragsmonate oder 40 Jahre nachgewiesen werden. Für Frauen gilt die Korridorpension ab 2028, weil sie schon vor dem vollendeten 62. Lebensjahr in Rente gehen dürfen. Bei der Korridorpension gibt es Abschläge. Wer nach dem regulären Eintritt des Rentenalters in den Ruhestand geht, bekommt dafür eine höhere Rente. Für jedes Jahr des früheren oder späteren Eintritts in die Pension wird ein genau festgelegter Prozentsatz von der regulären Rente abgezogen oder hinzu gerechnet.

Für Frauen greift die Hacklerregelung bei einem Geburtsdatum vor dem 01.01.1959. Sie können die Langzeitversicherungspension beanspruchen, wenn sie das 55. Lebensjahr abgeschlossen haben und 480 Beitragsmonate nachweisen. Der Abschlag beträgt dann pro Jahr 4,2 Prozent. Für Männer ab dem Geburtsjahr 1955 kommt die Hacklerregelung nicht mehr zur Anwendung.

So ist die Invaliditäts- und BU-Pension geregelt

Mit der Rentenreform aus dem Jahr 2014 haben sich wichtige Vorgaben zu einer weiteren Variante der Frühpension geändert. Sie betreffen die Invaliditäts- oder Berufsunfähigkeitspension. Ein Anspruch für einen Pensionsvorschuss greift bei der Invaliditäts- und Berufsunfähigkeitspension nur für Arbeitnehmer, die ein Gutachten des Trägers der Pensionsversicherung vorlegen. Dieses Gutachten muss die Arbeitsunfähigkeit bescheinigen. Eine weitere Voraussetzung ist, dass das 50. Lebensjahr zum 01. Januar 2014 bereits beendet sein musste. Wer zu diesem Zeitpunkt das 50. Lebensjahr noch nicht vollendet hatte, kann die Frühpension nur in Anspruch nehmen, wenn eine dauernde Arbeitsunfähigkeit besteht oder wenn die erforderliche Wartezeit bei Zahlung einer Pension schon erfüllt wurde.

BU-Pension bei einem Geburtsdatum bis Ende 1963

Wer bis zum 31.12.1963 geboren wurde, kann bei gesundheitlichen Problemen eine Invaliditätspension oder eine Berufsunfähigkeitspension in Anspruch nehmen. Die Invaliditätspension greift für Arbeiter, die Berufsunfähigkeitspension ist für Angestellte konzipiert. Damit ein Anspruch besteht, müssen bestimmte Versicherungszeiten erfüllt sein, die bei einem Arbeitsunfall oder bei einer beruflich bedingten Krankheit allerdings entfallen. Wenn die gesundheitliche Einschränkung vor dem 27. Lebensjahr festgestellt wurde, sind sechs Versicherungsmonate ausreichend. Tritt der Versicherungsfall nach diesem Zeitraum ein, müssen in den letzten zehn Jahren mindestens fünf Jahre lang Beiträge gezahlt worden sein. Alternativ sind 15 Beitragsjahre im gesamten Berufsleben nachzuweisen. Für Versicherte ab dem 50. Lebensjahr kommt pro Lebensmonat ein Versicherungsmonat dazu.

Für Arbeiter, die in den letzten 15 Jahren mindestens 7,5 Jahre in ihrem erlernten oder in einem angelernten Beruf tätig waren oder für Angestellte gilt eine Vorgabe, nach der sie nur auf eine angemessene Tätigkeit innerhalb ihres Berufsfelds verwiesen werden dürfen. Wer nicht überwiegend in seinem Lehrberuf tätig war, darf auf jede andere Tätigkeit auf dem Arbeitsmarkt verwiesen werden.

Voraussetzung für einen Anspruch auf eine Pension wegen Invalidität oder Berufsunfähigkeit ist außerdem, dass eine Rehabilitation nicht möglich, nicht zweckmäßig oder nicht zumutbar ist. Außerdem muss die Arbeitsunfähigkeit mindestens sechs Monate lang bestehen, die Wartezeiten müssen erfüllt sein, und es darf noch kein Anspruch auf Zahlung der Regelalterspension bestehen. Als invalid oder berufsunfähig gilt, wer seine Arbeitsfähigkeit durch seinen körperlichen oder geistigen Zustand auf mindestens 50 Prozent reduziert hat.

BU- und Invaliditätspension auch ab Geburtsjahr 1964

Für die Geburtsjahrgänge ab 1964 greift ebenfalls ein Anspruch auf eine Invaliditätspension für Arbeiter und eine Berufsunfähigkeitspension für Angestellte. Die Kriterien sind allerdings etwas anders gelagert. Die Invalidität oder Berufsunfähigkeit muss dauerhaft bestehen. Es darf kein Rechtsanspruch auf eine berufliche Rehabilitation gegeben sein, und die Mindestversicherungszeit ist zu erfüllen. Außerdem darf zum Stichtag noch kein Anspruch auf Alterspension gegeben sein. Bei einer vorübergehenden Invalidität oder Berufsunfähigkeit wird ein Umschulungs- oder Rehabilitationsgeld in Abhängigkeit von der medizinischen Maßnahme gezahlt. Das Rehabilitationsgeld entspricht der Höhe des regulären Krankengeldes.

Seit Anfang 2011 gilt für die Invaliditätspension außerdem eine Härtefallregelung, wenn das 50. Lebensjahr vollendet ist, wenn eine Arbeitslosenmeldung bestand, wenn 360 Versicherungsmonate nachgewiesen werden und wenn nur noch leichte Aufgaben ohne Zeitdruck ausgeführt werden können.

Frühpension: Für alle, die früher in Rente gehen wollen
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