Passivhaus Erdwärme Konzept

Die neueste Generation der Passivhäuser beruht auf einem ebenso einfachen wie interessanten Konzept: Durch die effiziente Nutzung von Energie wird verhindert, dass einmal hergestellte Wärme den Wohnraum verlässt. Sie muss demnach auch nicht durch eine teure Heizung neu produziert werden. In Österreich steigt die Nachfrage nach Passivhäusern in der jüngeren Vergangenheit stetig an, trotzdem sind solche Immobilien bisher noch nicht flächendeckend zu finden. Sie sind Sinnbild für ein junges und ökologisches Wohnen im eigenen Haus und sind eher in den ländlichen Regionen angesiedelt. Ein Passivhaus der Superlative befindet sich allerdings in Wien. Das weltgrößte Passivhaus misst 96.000 Quadratmeter, der Betrieb läuft über den örtlichen Versorger der Wiener Netze. Mit der recht neu gegründete Initiative Passivhaus Austria will die Baubranche den Informationsaustausch, die Qualitätssicherung und die Förderung von Kooperationsprojekten lokal unterstützen, um das ökologisch sinnvolle Bauen und Wohnen für die Allgemeinheit interessant zu machen. Die Initiative setzt sich auch dafür ein, die Vorgaben aus der Europäischen Gebäuderichtlinie als den allgemein gültigen Standard für Neubauten einzuführen und die Sanierung von alten Immobilien zu forcieren.

Was versteht man unter einem Passivhaus?

Ein Passivhaus ist eine Immobilie, deren Wärmebedarf aus einem passiven Wärmespender gespeist wird. Solche Wärmequellen sind zum Beispiel die Sonneneinstrahlung oder Erdwärme. Erreicht wird dieser Zustand durch eine komfortable Lüftung und durch eine sehr solide Dämmung, die rund 30 Zentimeter dick ist. Auch die Isolation der Fenster spielt eine Rolle, denn in Passivhäusern kommen Fenster mit Dreifachverglasung zum Einsatz. Allerdings ist nicht nur die technische Ausstattung des Objekts entscheidend für die Energieeffizienz. Ebenso wichtig ist die Form des Gebäudes. Die Außenflächen, die Fenster und Türen und das Dach müssen nach außen hin luftundurchlässig sein, so dass keine Wärmebrücken entstehen. Die zum Wohnen zusätzlich erforderliche Wärme wird zum Beispiel über eine Wärmepumpe hergestellt. Nach der Höhe des Verbrauchs unterscheidet man drei Gruppen von Passivhäusern. In der Classicvariante beträgt der maximale Verbrauch 60 Kilowattstunden je Quadratmeter. In der Plusversion liegt der Verbrauch pro Quadratmeter bei 45 Kilowattstunden. Ein Passivhaus der Premiumklasse kommt mit einem Verbrauch von 30 Kilowattstunden je Quadratmeter aus.

Passivhaus Erdwärme Konzept

Erdwärme Passivhaus Konzept (c)Bigstockphoto.com/214228297/sagat

Wie unterscheiden sich Fertigbau- und Massivhäuser?

Passivhäuser werden meistens als Fertighäuser gebaut. Ihre Bauweise ist bereits auf die ökonomische Verwertung von Energie ausgerichtet und hat sich in der Praxis seit Jahren bewährt. Zwar sind Passivhäuser in Fertigbauweise etwas teurer als die klassischen Häuser in Fertigbauweise. Das liegt unter anderem an dem ausgefeilten System für Belüftung und Dämmung und an den zusätzlichen Installationen für die Energieerzeugung. Passivhäuser in massiver Bauart kosten ebenfalls etwas mehr als klassische Massivbauhäuser. Die Ursache für die höheren Kosten liegt bei Massivhäusern überwiegend in der sehr starken Dämmung und in der nötigen Einrichtung für die Rückgewinnung von Wärme. Auf Dauer sind die Betriebskosten bei einem Passivhaus unabhängig von der Art der Bauweise aber erheblich günstiger. Als angehender Hausbesitzer sollte man beim Hauskauf darauf achten, dass der Hersteller des Passivhauses mit dem Siegel „Zertifiziertes Passivhaus“ ausgezeichnet ist. Das Zertifikat wurde vom Österreichischen Institut für Bauen und Ökologie ins Leben gerufen und ist ein Indikator dafür, dass es sich um ein Haus handelt, das den Standards in vollem Umfang entspricht.

Welche Vorteile bringt ein Passivhaus?

Gegenüber einem Haus in herkömmlicher Bauart hat ein Passivhaus einige Vorteile. Dazu gehören zum Beispiel ein sehr angenehmes Raumklima und eine bessere Energieeffizienz. Aufgrund der starken Wärmedämmung dringt nur wenig Wärme nach außen und geht verloren. Dadurch ist auch das Risiko einer Schimmelbildung niedriger. Der hohe Schallschutz eines Passivhauses wirkt sich auf den Wohnkomfort positiv aus. Für Allergiker bringt ein Passivhaus den Vorzug, dass die permanente Lüftung der Wohnräume ein gleichmäßiges Raumklima fördert. Da die Luft frei von Feinstaub und Pollen ist, leben Allergiker in einem Passivhaus gesünder und ruhiger als in einer Immobilie in klassischer Bauart.

Die geringen Nebenkosten für Energie sind der größte Pluspunkt von Passivhäusern. Da sich die Ersparnis über mehrere Jahre aufsummiert, gleichen sich die anfänglichen Mehrkosten für den Bau eines Passivhauses nach einiger Zeit aus. Experten gehen übrigens davon aus, dass ein Passivhaus rund 90 Prozent weniger an Heizwärme verbraucht als ein klassisch gebautes Haus. Im Vergleich zu einem modernen Neubau ist die nötige Heizenergie bei gleichem Ergebnis immer noch um 75 Prozent geringer. Und sogar ein in Niedrigenergiebauart errichtetes Objekt benötigt noch mehr Heizenergie als ein Passivhaus. Die Kostenersparnis soll allein bei den Heizkosten im Vergleich zu einem Standardhaus bei rund 85 Prozent liegen, wie neuere Untersuchungen belegen konnten. Aufgrund des geringeren Verbrauchs machen sich die Besitzer eines Passivhauses weitgehend unabhängig von den Energieversorgern und von fossilen Brennstoffen. Ein nicht zu unterschätzender finanzieller Vorteil des Passivhauses ist außerdem die nach Bundesland unterschiedliche Förderung, von der der Hausbesitzer profitiert.

Energieeffizientes Holzhaus (c)Bigstockphoto.com/183145807/_jure

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Wie hoch sind die Mehrkosten eines Passivhauses?

Viele Hersteller von Fertighäusern sind heute noch an ihre bestehenden Standards gebunden. Deshalb ist die Produktion eines Passivhauses in der Regel teurer als bei einem klassischen Fertighaus. Trotzdem zeigen erste Beispiele aus der Praxis, dass die Baukosten vergleichbar sind, wenn Planung und Ausführung durchdacht sind und wenn man die staatliche Förderung voll ausnutzen kann. Prinzipiell gilt der Zusammenhang, dass die Art der Ausführung des Hauses die Kosten beeinflusst. Je einfacher die Ausstattung ist, desto geringer ist der Mehraufwand für den Bau des Passivhauses. Experten schätzen, dass die Mehrkosten bei einem Passivhaus bei rund 15.000 Euro liegen. Sie resultieren hauptsächlich aus den Fenstern mit Dreifachverglasung, aus der stärkeren Dämmung und aus der insgesamt soliden Ausführung des Baus. Für die Haustechnik sind die Auslagen etwa vergleichbar.

Welche Förderung erhalten Hausbesitzer?

Die Förderung für Passivhäuser ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Prinzipiell haben Hausbesitzer gute Chancen auf eine Wohnbauförderung, wenn sie ein Passivhaus bauen. Die Wohnbauförderung deckt Baumaßnahmen für den energieeffizienten Bau ab, er entspricht dem passiven Heizen. Die Höhe der Förderung hängt unter anderem von dem Wert des Energiepickerls und von der Höhe des Einkommens ab. In den Bundesländern Kärnten und Tirol hat man die Wohnbauförderung im Jahr 2017 neu festgelegt. In Tirol gilt seit Oktober 2017 eine verbesserte Förderung von Passivhäusern. Einfamilienhäuser sind mit einem nicht-rückzahlbaren Zuschuss von bis zu 10.560 Euro förderfähig, Mehrfamilienhäuser erhalten einen Zuschuss von maximal 8.800 Euro. Die bisherigen Voraussetzungen für die Förderfähigkeit bleiben unverändert. Sofern eine PHI-Zertifizierung nachgewiesen wird, ist die Förderung noch höher. In Kärnten greift seit Januar 2018 ein neues Kärntner Wohnbauförderungsgesetz, nach dem der Bau von Passivhäusern nach PHPP besonders unterstützt und bezuschusst wird.

Was hat es mit der Kritik an Passivhäusern auf sich?

Passivhäuser sind oft umstritten, weil nicht klar ist, ob die Haustechnik mit Lüftung und Wärmepumpe zwingend teurer sein muss wie ein konventionell gebautes Haus ohne Lüftung und mit Heizkörper und Heizung. Auch der Mehrwert im Hinblick auf den Umweltschutz und den Wohnkomfort lässt sich nicht mit harten Fakten belegen. Vergleichsrechnungen zwischen Passivhäusern und klassischen Häusern sollen oft anhand von sehr alten Immobilien durchgeführt werden, bei denen die neuesten Bestimmungen nicht angewandt werden. Damit ergibt sich eine zu positive Betrachtung des Passivhauses. Unabhängig von der Kritik an Passivhäusern steht der Aspekt des ökologischen Bauens und Wohnens für viele Eigentümer allerdings immer noch im Vordergrund, selbst wenn der finanzielle Aspekt auf lange Sicht oder bei genauem Hinsehen an Gewicht verliert.


Quellen und weiterführende Infos:

https://passivhaus-austria.org/

https://www.wohnnet.at/bauen/bauvorbereitung/passivhaus-kosten-21661


(c) Bilder:

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Passivhäuser in Österreich: Mit Förderung zum Eigenheim
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