Lohnnebenkosten-Oesterreich

Das Nettoeinkommen entspricht dem Bruttoeinkommen abzüglich der Lohnnebenkosten – so könnte man den Zusammenhang zwischen dem Brutto- und dem Nettoentgelt eines Arbeitnehmers in wenigen Worten erklären. Die Lohnnebenkosten machen eine erhebliche Größenordnung aus, und sie steigen tendenziell mit dem Bruttoeinkommen. Wer also viel verdient, muss auch hohe Lohnnebenkosten zahlen. Im Prinzip setzen sich die Lohnnebenkosten aus der Steuer und aus den Sozialversicherungsbeiträgen zusammen. Doch was genau versteht man unter den Lohnnebenkosten in Österreich, und wie werden sie berechnet?

Fünf Posten ergeben die Lohnnebenkosten

Die Lohnnebenkosten in Österreich bestehen aus fünf einzelnen Positionen:

  • dem Dienstgeberanteil zu den Sozialversicherungen
  • der Kommunalsteuer
  • dem Beitrag zur Mitarbeitervorsorgekasse
  • dem Dienstgeberbeitrag für den Familienlastenausgleichsfonds
  • und den Zuschlag zu dem Dienstgeberbeitrag.

Je nach Branche können eine Schlechtwetterentschädigung oder ein Nachtschwerarbeiterbeitrag dazu kommen. Die Gehaltszahlung in Urlauben, an Feiertagen und bei Krankheiten gehören ebenfalls zu den Lohnnebenkosten, die der Arbeitgeber zahlt. Der Dienstgeberanteil für die Sozialversicherung macht mit 20 Prozent des Bruttoeinkommens den größten Betrag aus. Er deckt die Beiträge für die Krankenversicherung, für die Unfallversicherung, für die Pensionsversicherung und für die Arbeitslosenversicherung ab. Hinzu kommen noch der Zuschlag zum Insolvenz-Entgeltsicherungsgesetz, der Wohnbauförderungsbeitrag und die Arbeiterkammerumlage.

So werden die Lohnnebenkosten berechnet

Die Höhe der Lohnnebenkosten ist durch die Zuschläge zum Dienstgeberbeitrag in Österreich nicht flächendeckend identisch. Das liegt daran, dass der Dienstgeberbeitrag in den Bundesländern unterschiedlich hoch angesetzt ist. Außerdem gilt in Österreich eine Unterscheidung zwischen Angestellten und Arbeitern, was sich ebenfalls auf die Höhe der Lohnnebenkosten auswirkt. Ein Arbeitnehmer, der im Büro, in einer kaufmännischen Tätigkeit oder in einem gehobenen Dienst tätig ist, hat Anspruch auf höhere Sozialversicherungsbeiträge als ein Arbeiter. Die Unterscheidung ist darin begründet, dass Arbeiter in der Regel manuelle Arbeiten ausüben. Selbst ein qualifizierter Facharbeiter hat nicht den gleichen Anspruch auf höhere Sozialversicherungsbeiträge wie ein Angestellter. Vor allem bei der Krankenversicherung gibt es einen größeren Unterschied zwischen den Sozialversicherungsbeiträgen der Arbeiter und der Angestellten. Bei einem Angestellten übernimmt der Arbeitgeber nämlich den größten Teil, der Arbeiter hat einen erheblichen Teil selbst zu zahlen. Außerdem sind die Kommunalsteuer, der Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag und der Dienstgeberbeitrag für den Familienlastenausgleichsfonds erst ab einer bestimmten Einkommenshöhe zu zahlen. Für ältere Arbeitnehmer gilt darüber hinaus eine andere Form der Berechnung.

Onlinerechner sollen das Nettoeinkommen ermitteln

Wer im Internet das Stichwort „Brutto-Netto-Gehaltsrechner“ eingibt, findet eine Fülle von Vergleichsrechner, die alle das gleiche Ziel haben: Mit wenigen Angaben soll man ermitteln, wie hoch das Nettoeinkommen bei einem bestimmten Bruttogehalt ist. Manche Rechner erlauben auch die umgekehrte Berechnung, so dass man von einem gewünschten Nettolohn auf den Bruttolohn schließen kann. Es ist aber wichtig zu wissen, dass solche Rechner nur einen Anhaltspunkt geben können, deshalb sollte man die ermittelten Zahlen mit Vorsicht genießen. Ein Onlinetool kann zum Beispiel nicht die Freibeträge ermitteln, die im Einzelfall für einen Steuerpflichtigen gelten. Deshalb kann man sich zwar an einer Berechnung des Onlinetools orientieren, doch wirklich fundierte Auskunft kann nur ein Steuerberater geben. Die möglichst genaue Ermittlung der Lohnnebenkosten ist übrigens nicht nur für Arbeitnehmer vor einer Gehaltsverhandlung interessant. Auch als Arbeitgeber möchte man vermutlich wissen, wie hoch die Lohnnebenkosten sind, denn daraus lässt sich ableiten, wie viele Mitarbeiter man zu welchem Gehalt einstellen kann. Gerade als Arbeitgeber sollte man sich auf keinen Fall nur auf die Kalkulation aus einem Onlinerechner verlassen, um nicht von falschen Informationen auszugehen. Ein Arbeitgeber mit Fragen zu Netto- und Bruttoeinkommen ist auf jedem Fall bei einem guten Steuerberater besser aufgehoben.

Lohnnebenkosten-Oesterreich

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Die Bedeutung der Lohnnebenkosten aus Sicht der Volkswirtschaft

Die Lohnnebenkosten spielen nicht nur für den einzelnen Arbeitnehmer und den Arbeitgeber eine Rolle. Vor allem im Hinblick auf die Bedeutung von Österreich als ein attraktiver Wirtschaftsstandort stehen sie häufig im Mittelpunkt der Diskussion. Im europäischen Vergleich ist Österreich ein Land mit hohen Lohnnebenkosten. Deshalb fordern Politiker und Arbeitgeber immer wieder eine Reduzierung der Kosten, damit Österreich als Standort weiter interessant ist. Innerhalb der Europäischen Union steht Österreich in der Regel unter den Top 10 der teuersten Länder. Allerdings hängt die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes natürlich nicht allein von günstigen Lohnnebenkosten ab. Im Jahr 2015 beispielsweise stand Österreich nach einer Untersuchung des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO) mit einem Anteil der Lohnnebenkosten in Höhe von 26,2 Prozent aller Arbeitskosten unter den 28 Ländern innerhalb der Europäischen Union auf Rang sieben und damit über dem Durchschnitt. In Ländern wie Frankreich oder Schweden fallen rund 33 Prozent aller Arbeitskosten auf die Lohnnebenkosten. In Deutschland betrug dieser Anteil 22,4 Prozent. Somit gibt es zwar Länder, die nach den Lohnnebenkosten durchaus interessanter sind als Österreich, es gibt aber auch eine Reihe von Standorten, die schlechter positioniert sind. Seit dem Jahr 2000 ist der Anteil der Lohnnebenkosten übrigens in rund 50 Prozent der EU-Länder gesunken, wobei in Österreich nur eine geringe Reduzierung festzustellen war. Die Kosten einer Arbeitsstunde lagen in Österreich im Jahr 2015 bei rund 35 Euro. Das entspricht etwa dem Niveau der Niederlande. In Dänemark, in Schweden, in Frankreich oder in Deutschland kostet eine Arbeitsstunde in der Produktion erheblich mehr, wobei festzustellen ist, dass die wettbewerbsstarken Länder besonders hohe Arbeitskosten haben. Lediglich in den neuen EU-Ländern wie Tschechien oder Rumänien sind geringere Kosten in der Produktion möglich.

Lohnnebenkosten spielen bei Gehaltsverhandlungen keine Rolle

Ganz häufig hört man in der Verhandlung des Gehalts ein Argument des Arbeitgebers, nachdem er keine höheren Löhne zahlen kann, weil die Lohnnebenkosten damit zu stark steigen. Man nutzt dann die Lohnnebenkosten, um einen geringen Lohn zu zahlen. Als Arbeitnehmer sollte man wissen, dass die Lohnnebenkosten per Gesetz vorgegeben sind. Das heißt, sie sind nicht Bestandteil der Verhandlungsmasse bei einer Gehaltsverhandlung. Der Arbeitnehmer hat überhaupt keine Möglichkeit, darauf Einfluss zu nehmen. Deshalb ist auch das Argument nicht korrekt, dass die Gehälter niedrig bleiben müssen, damit die Lohnnebenkosten nicht steigen. Es ist Sache des Arbeitgebers, die Lohnnebenkosten abzuführen. Der Arbeitnehmer kann darauf keinen Einfluss nehmen. Aus diesem Grund sind diese Kosten auch in der Steuererklärung nicht weiter zu berücksichtigen.

Das Märchen von den steigenden Lohnnebenkosten

Ganz häufig hört man die Behauptung, dass die Lohnnebenkosten in den letzten Jahren in Österreich stetig gestiegen sind. Das WIFO hat im Jahr 2017 mit einer Studie gezeigt, dass die Kosten im Zeitraum von 2000 bis 2015 sogar gesunken sind. Der Anteil der Lohnnebenkosten an den gesamten Arbeitskosten hat sich in diesem Zeitraum um 0,9 Prozent reduziert. Der EU-Durchschnitt ist übrigens nur um 0,6 Prozent gesunken. Gerade dieser Vergleich macht deutlich, dass es nicht immer korrekt ist, was in den Medien zum Wirtschaftsstandort Österreich berichtet wird. Fallende Nebenkosten für Löhne und Gehälter machen den Standort Österreich sehr attraktiv für Unternehmen aus dem In- und Ausland. Wenn in der Presse aber kolportiert wird, dass die Nebenkosten für Arbeit sehr hoch sind, wirkt das auf interessierte Unternehmen nicht motivierend, sich in Österreich niederzulassen und eigene Betriebe aufzubauen. Gerade deshalb ist es so interessant, dass neue Studien hier offenbar auf andere Ergebnisse kommen. Es lohnt sich also, etwas genauer auf die detaillierten Kosten zu achten und diese auch aus dem Kontext des Unternehmens zu betrachten. Wer genau weiß, welche Nebenkosten für eine Arbeitsstunde anfallen, kann die eigenen Kapazitäten besser planen und einen Betrieb auch leichter ausbauen. Deshalb ist es gerade für Unternehmen auf Expansionskurs wichtig, nur mit fundierten Zahlen zu arbeiten und die Nebenkosten für die Löhne und Gehälter sorgfältig zu kalkulieren. Nur dann kann man fundiert berechnen, wie hoch die Auslagen für eine Arbeitsstunde tatsächlich sind, um daraus geeignete Maßnahmen abzuleiten.


Quellen und weiterführende Infos:

http://www.wien-steuerberater.at/dienstnehmer-lohnnebenkosten-rechner.php

https://blog.volksbank.at/lohnnebenkosten/


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