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Spitzensteuersatz in Österreich: Reiche müssen mehr bezahlen

Wer viel verdient, muss höhere Steuern bezahlen – so lässt sich das Steuersystem in Österreich mit wenigen Worten beschreiben. Was in der Regel mit dem Stichwort „Steuergerechtigkeit“ beschrieben wird, sorgt in manchen Kreisen trotzdem gerne für Diskussionen: Gerade um den Spitzensteuersatz entbrennen immer wieder Auseinandersetzungen in Politik und Gesellschaft. Was also hat es damit auf sich, und worauf müssen sich Menschen mit einem hohen Einkommen einstellen?

Wie viele Steuertarife gibt es in Österreich?

Das aktuelle Steuersystem besteht aus sieben Tarifen für die Einkommens- und Lohnsteuer.

  • In die erste Stufe fallen Menschen mit einem Einkommen von bis zu 11.000 Euro. Da der Freibetrag in Österreich bei 11.000 Euro liegt, ist in dieser ersten Stufe keine Einkommenssteuer zu zahlen. Für Lohnsteuerpflichtige gilt ein Freibetrag von 12.600 Euro.
  • Ab der zweiten Stufe sind die Grenzen für lohnsteuerpflichtige Arbeitnehmer und Pensionisten und für einkommensteuerpflichtige Selbstständige identisch. In die zweite Stufe fallen alle Löhne und Einkommen von 11.000 Euro bis 18.000 Euro. Hier beträgt die Lohn- und Einkommenssteuer 25 Prozent.
  • Wer zwischen 18.000 Euro und 31.000 Euro verdient, zahlt 35 Prozent
  • Bei einem Einkommen bis 60.000 Euro fallen 42 Prozent an.
  • Insgesamt 48 Prozent an Steuern sind fällig, wenn man zwischen 60.000 Euro und 90.000 Euro im Jahr verdient.
  • Auf 50 Prozent kommen diejenigen, die zwischen 90.000 Euro und einer Million Euro pro Jahr verdienen.
  • Der Spitzensteuersatz greift ab einem Einkommen von einer Million Euro, er beträgt 55 Prozent.

Die Staffelung nach der Höhe des Einkommens mit der entsprechenden Anhebung der Steuersätze bezeichnet man auch als progressive Besteuerung. Letztlich soll der steigende Steuersatz bei höheren Einkommen dafür sorgen, dass eine gewisse Steuergerechtigkeit entsteht und dass Steuerpflichtige mit einem hohen Einkommen mehr Steuern zahlen als Menschen mit einem geringen Einkommen.

Spitzensteuersatz in Österreich

Der Spitzensteuersatz in Österreich beträgt 55% (c)elements.envato.com – gargantiopa

Wie ändert sich der Spitzensteuersatz ab 2020?

Der heutige Spitzensteuersatz in Höhe von 55 Prozent gilt bis zum Jahresende 2019. Zum 01. Januar 2020 wird der maximale Steuersatz auf 50 Prozent verringert. Als Konsequenz greift der Spitzensteuersatz dann bereits ab einem Einkommen von 90.000 Euro jährlich. Außerdem werden die beiden unteren Steuerklassen zu einer gemeinsamen Steuerklasse verschmolzen. Für Steuerpflichtige ist ausschlaggebend, dass das Einkommen nicht in voller Höhe mit dem Spitzensteuersatz belegt wird. Lediglich der Anteil des Einkommens oder des Lohnes, der den Betrag von einer Million Euro im Jahr 2019 übersteigt, wird mit dem Spitzensteuersatz belegt. Wenn man also im Jahr 2019 1,1 Million Euro verdient, wird der Betrag zwischen einer Million und 1,1 Million Euro mit dem Spitzensteuersatz von 55 Prozent besteuert. Das Einkommen darunter wird übrigens ebenfalls gestaffelt versteuert. Das heißt, dass für das Einkommen zwischen 90.000 Euro und einer Million Euro 55 Prozent an Steuer zu zahlen sind, während für die Summe von 60.000 Euro bis 90.000 Euro noch 48 Prozent an Steuern anfallen. Mit dem restlichen Einkommen wird ähnlich verfahren, so dass am Ende 11.000 Euro steuerfrei bleiben.

Wie unterscheidet sich der Spitzensteuersatz nach Steuerart?

Im österreichischen Steuersystem sind die Lohnsteuer und die Einkommenssteuer zu unterscheiden. Die Einkommenssteuer fällt für Selbstständige an. Arbeitnehmer oder Pensionisten unterliegen der Lohnsteuer. Die Höhe der Steuersätze unterscheidet sich bei Lohn- und Einkommenssteuer nicht. Es gibt also bei der Steuerhöhe keine Unterscheidung nach Lohnsteuer und Einkommenssteuer. Konkret bedeutet das, dass sich auch der Spitzensteuersatz nicht unterscheidet, ob man nun Lohnsteuer oder Einkommenssteuer zahlt. In letzter Konsequenz ist die Steuer damit über alle Einkommensstufen hinweg für Arbeitnehmer und Pensionisten genauso hoch wie für Selbstständige.

Was bedeutet die Diskussion um den steigenden Spitzensteuersatz?

Im Zuge der Steuerreform der Jahre 2015 und 2016 wurde der Spitzensteuersatz mit 55 Prozent vereinbart. Allerdings ist dieser Höchststeuersatz nur bis zum Jahr 2019 befristet. Ab 2020 gilt ein maximaler Steuersatz in Höhe von 50 Prozent. Anfang des Jahres 2019 ist die Diskussion um diesen Spitzensteuersatz wieder voll entbrannt. Abhängig vom politischen Lager wird gefordert, die im Jahr 2015 vereinbarte Aufhebung des Spitzensteuersatzes von 55 Prozent für sogenannte Einkommensmillionäre einzuhalten – oder eine Verlängerung durchzusetzen. Argumente für eine Reduzierung des Spitzensteuersatzes gibt es ebenso wie Gründe für eine Verlängerung. Auf der einen Seite soll eine Weiterführung der hohen Steuern ein schlechtes Signal für den Wirtschaftsstandort Österreich sein. Auf der anderen Seite bezeichnet man eine Senkung des Spitzensteuersatzes als ein Steuergeschenk an diejenigen, die sowieso schon sehr gut verdienen und die finanziell entsprechend gut gestellt sind. Diese „Einkommensmillionäre“ sind mit der vereinbarten Absenkung des Spitzensteuersatzes finanziell noch besser aufgestellt. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation in Österreich dazu entwickelt und welche Partei sich am Ende durchsetzt. Allerdings sind nach Angaben von Statistik Austria in ganz Österreich nur rund 460 Steuerpflichtige von einer Reduzierung des Spitzensteuersatzes betroffen, wenn man die Zahlen des Jahres 2015 als Basis nimmt.

Wie steht Österreich im Vergleich zu anderen Ländern da?

Auf den ersten Blick mag bei einem Spitzensteuersatz von 55 Prozent oder auch 50 Prozent der Eindruck entstehen, dass die Lohn- und Einkommenssteuer in Österreich im Vergleich sehr hoch ist. Allerdings kann man allein am Steuersatz kein fundiertes Urteil festmachen. In Deutschland gilt der Spitzensteuersatz zum Beispiel ab einem Einkommen von gut 54.000 Euro im Jahr. Etwa neun Prozent der Arbeitnehmer unterliegen in Deutschland diesem Spitzensatz, in Österreich zahlen im Jahr 2017 dagegen nur knapp 200 Steuerpflichtige den höchsten Steuersatz für Arbeitnehmer und Pensionisten. Schaut man sich den Spitzensteuersatz im Vergleich zu anderen Ländern der EU an, liegt Österreich eher im Mittelfeld.

Fazit: Kein Ende der Diskussion um Spitzensteuersatz

Weder die öffentliche Diskussion noch das individuelle Gerechtigkeitsempfinden geben Anlass zu einer Beendigung der Diskussion um die Höhe des Steuersatzes für Einkommensmillionäre. Wohl jeder, der aufgrund seines Einkommens hohe Steuern zu zahlen hat, wird der Ansicht sein, zu viel zu zahlen. Geringverdiener werden hingegen daran festhalten, dass Besserverdiener höhere Steuern zahlen müssen, während Steuerpflichtige mit kleinen Einkommen zu entlasten sind. Selbst der Grundsatz der Steuergerechtigkeit mit steigenden Steuersätzen bei höheren Einkommen trägt am Ende nur begrenzt dazu bei, die öffentliche Diskussion beizulegen. Dennoch fällt bei objektiver Betrachtung auf, dass Österreich im internationalen Vergleich des Spitzensteuersatzes nicht an der Spitze zu finden ist.


Quellen und weiterführende Infos:

https://www.finfo.at/steuern/spitzensteuersatz/

https://www.sn.at/politik/innenpolitik/55-prozent-spitzensteuersatz-fuer-topverdiener-soll-bleiben-62490037

https://www.help.gv.at/Portal.Node/hlpd/public/content/99/Seite.991669.html


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